Selbst berufsunfähig, 800 € im Monat
Am Ende meiner Zeit als Automobilkaufmann wurde ich selbst berufsunfähig. Von einem Tag auf den anderen war mein Einkommen weg. Zwei Jahre lang musste ich von 800 € im Monat leben.
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn plötzlich alles wegbricht. Wenn Du nicht weißt, wie Du über den Monat kommst. Wenn Du merkst, dass Dich niemand darauf vorbereitet hat.
Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie existenziell wichtig eine gute Absicherung ist. Nicht als Theorie. Sondern am eigenen Leib.
Der betrogene Chef
Mein erstes Schlüsselerlebnis hatte ich als Automobilkaufmann. Mein Chef wurde von einem Versicherungsvertreter beraten und betrogen. Der Trick war simpel: oben ein Produkt erklärt, unten ein anderes zum Unterschreiben hingeschoben. Eine Rürup-Rente mit deutlich höherer Monatsrate als besprochen.
Entdeckt hat es seine Steuerberaterin, ein bis zwei Jahre später. Mein Chef ging vor Gericht und gewann.
Für mich war das der Moment, in dem ich verstanden habe: Betrug in der Versicherungsbranche ist nicht nur Volksmund. Er passiert. Und er passiert Menschen, die ihrem Berater vertrauen.
Mein Vater und die private Krankenversicherung
Mein Vater war sein Leben lang selbstständig. Er hatte eine private Krankenversicherung. Ein schlechtes Produkt bei einem schlechten Anbieter. Die Beiträge stiegen Jahr für Jahr. Irgendwann konnte er sie sich nicht mehr leisten.
Er geriet in Zahlungsverzug. Und dann passierte, was in solchen Situationen passiert: Er ging nicht mehr zum Arzt, weil er keine Kosten verursachen wollte.
Statt zum Zahnarzt zu gehen, nahm er Schmerzmittel. Immer mehr. Bis es zu einer Überdosis kam und der Notarzt gerufen werden musste. Seine Mitarbeiter riefen mich an, sie hatten ihn apathisch im Bett gefunden.
Ich dachte, mein Vater stirbt.
Er hat überlebt. Aber dieser Tag hat sich bei mir eingebrannt. Eine PKV darf kein Produkt sein, das Menschen in die Ecke treibt. Sie muss langfristig bezahlbar sein und echte Leistungen ermöglichen, oder sie hat ihren Zweck verfehlt.
8 Jahre Gericht, wegen eines steifen Nackens
Eine Freundin von mir hatte eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Abgeschlossen bei einem normalen Berater. Die Gesundheitsfragen wurden pauschal mit „Nein" beantwortet, nichts wurde tiefgehend geprüft.
Dann wurde sie berufsunfähig. Rückenprobleme.
Der Versicherer prüfte ihre Gesundheitsakte und fand eine Diagnose: HWS-Syndrom, Zervikalneuralgie. Was das in Wirklichkeit war? Ein steifer Nacken. Vom Arzt so dokumentiert und abgerechnet. Ich sehe das in locker jeder zweiten Gesundheitsakte. Und der Versicherer nutzte es: Vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt. Leistung verweigert.
Es folgten 8 Jahre Gerichtsprozess.
Acht Jahre, in denen sie berufsunfähig war, krank, mit Schmerzen und ohne Einkommen. Kein BU-Geld. Sie machte eine Umschulung, hatte kein Geld. Sie lebte im notdürftig ausgebauten Keller ihrer Oma, ohne eigene Dusche.
Am Ende gab es einen Vergleich. Das Geld kam erst, als sie längst wieder arbeitete.
Dieser Fall treibt mich bis heute an. Nicht weil er ungewöhnlich ist, sondern weil er so vermeidbar gewesen wäre. Hätte jemand vor dem Abschluss ihre Gesundheitsakte gezogen und die Diagnosen abgeglichen, wäre dieser steife Nacken kein Problem gewesen.
Aber das hat niemand getan. Und das hat meiner Ansicht nach System.