Jeder, den ich frage, sagt: „Eine Rente bekomme ich eh nicht", und dann wird fleißig Galgenhumor betrieben, um mit diesem Thema umzugehen. Doch die wenigsten wissen, wie ernst die Lage wirklich ist. Und noch viel weniger kennen ihre tatsächliche Rentenlücke.
Dafür habe ich einen eigenen Rentenlückenrechner gebaut. Er zeigt Dir schwarz auf weiß, was Dich im Alter erwartet. Mit allen Abzügen, mit Inflation und mit der Möglichkeit, verschiedene Szenarien durchzuspielen.
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Altersvorsorge ist kein Produkt, das Du einmal kaufst und dann vergisst. Sie ist ein System, das über Jahrzehnte für Dich arbeiten muss. Und genau da liegt das Problem: Die meisten Produkte am Markt sind nicht für Dich gebaut. Sie sind für den Vertrieb gebaut.
Hohe Kosten, mickrige Renditen, starre Regeln. Die Förderung klingt gut auf dem Papier, wird aber von den Produktkosten oft komplett aufgefressen. Seit 2022 bieten die meisten Versicherer keine Riester-Neuverträge mehr an. Für die meisten Menschen ist Riester ein Minusgeschäft.
Rürup kann für Selbstständige und Gutverdiener steuerlich interessant sein. Aber: Das Geld ist komplett gebunden. Keine Kapitalauszahlung, keine Vererbbarkeit (außer an Ehepartner), kein Zugriff vor Rentenbeginn. Du tauschst Flexibilität gegen Steuerersparnis. Ein echter Vorteil gerade für Selbstständige: Das Rürup-Vermögen ist nach § 851c ZPO insolvenz- und pfändungsgeschützt. Im Fall einer Unternehmensinsolvenz kann niemand an Deine Altersvorsorge ran.
In der Ansparphase sparst Du Steuern und Sozialabgaben. Das klingt erstmal gut. Aber in der Auszahlungsphase zahlst Du den vollen Krankenversicherungsbeitrag (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) selbst, dazu Pflegeversicherung und volle Einkommensteuer. Der Arbeitgeberanteil, den bisher Dein Chef übernommen hat, liegt dann komplett bei Dir. Oberhalb eines Freibetrags von ca. 198 Euro monatlich (2026) werden rund 19 bis 21 Prozent an Sozialabgaben fällig, plus Dein persönlicher Steuersatz.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Die meisten bAV-Produkte sind klassische Bruttopolicen mit hohem Garantieanteil. Durch die Beitragsgarantie darf der Versicherer nur einen kleinen Teil in renditestarke Anlagen wie Aktien investieren. Der Großteil fließt in sichere, aber renditearme Anlagen wie Staatsanleihen. Das Ergebnis: nach Kosten und Inflation bleibt oft kaum reale Rendite übrig.
Meine Faustformel: Wenn Dein Arbeitgeber nicht mindestens ca. 50 Prozent Deines Eigenanteils dazugibt, lohnt sich die bAV in den meisten Fällen nicht. Die Kombination aus hohen Vertriebskosten, schwacher Rendite durch den Garantieanteil und den vollen Sozialabgaben plus Steuern in der Auszahlungsphase frisst den Steuervorteil der Ansparphase oft komplett auf. Eine private Lösung wie die ETF-Nettopolice ist dann meistens die bessere Wahl.
Zwei Wege, die nachweislich funktionieren: Ein privates ETF-Depot oder eine ETF-Nettopolice. Beide setzen auf breit gestreute, kostengünstige Indexfonds. Der Unterschied liegt in der Steuer. Das Depot ist flexibler, die Nettopolice ist steuerlich stärker. Welcher Weg für Dich besser ist, hängt von Deiner Laufzeit, Deinem Steuersatz und Deinen Zielen ab.
Die Deutsche Rentenversicherung verschickt jedes Jahr eine Renteninformation. Dort steht, was Du voraussichtlich bekommst. Was dort nicht steht: Davon gehen noch Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Steuern ab. Und die Kaufkraft in 30 Jahren ist eine völlig andere als heute.
Wer heute 4.000 Euro brutto im Monat verdient, sammelt pro Jahr etwa 0,92 Rentenpunkte (Jahresbrutto geteilt durch das Durchschnittsentgelt von ca. 51.944 Euro in 2026). Nach 35 Beitragsjahren sind das rund 32,3 Punkte. Multipliziert mit dem aktuellen Rentenwert von 42,52 Euro (ab Juli 2026) ergibt das eine Bruttorente von ca. 1.375 Euro. Nach Abzug von Krankenversicherung (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil, ca. 17,1 Prozent), Pflegeversicherung und Steuern bleiben ungefähr 1.190 Euro netto. Das sind weniger als 30 Prozent des letzten Bruttogehalts.
Die Differenz zwischen Deinem heutigen Lebensstandard und der gesetzlichen Rente ist Deine Rentenlücke. Und die muss geschlossen werden, wenn Du im Alter nicht massiv verzichten willst.
Wie groß Deine persönliche Lücke tatsächlich ist, kannst Du mit dem Rentenlückenrechner berechnen.
Je früher Du anfängst, desto kleiner ist die monatliche Sparrate. Wer mit 25 startet, muss oft nur halb so viel sparen wie jemand, der mit 40 beginnt. Der Grund: der Zinseszinseffekt. Dein Geld arbeitet umso länger für Dich, je früher es investiert wird.
Vier Wege, ein Ziel: Vermögen für das Alter aufbauen. Aber die Unterschiede sind enorm.
Der einfachste Weg. Du kaufst ETFs, fertig. Maximale Flexibilität, keine Mindestlaufzeit, geringe Kosten. Der Nachteil: Das Finanzamt greift laufend zu. Vorabpauschale, Steuer auf Dividenden und Abgeltungssteuer auf Gewinne beim Verkauf. Allerdings gibt es im Depot die sogenannte Teilfreistellung nach dem Investmentsteuergesetz (§ 20 InvStG). Die funktioniert so:
Für die meisten Anleger mit einem Welt-ETF (Aktienanteil über 50 %) liegt die effektive Steuerlast im Depot also bei rund 18,5 Prozent auf realisierte Gewinne. Trotzdem summiert sich die laufende Besteuerung (Vorabpauschale, Steuern bei jedem Fondswechsel) über Jahrzehnte erheblich, weil Dein Geld nicht in voller Höhe weiterarbeiten kann.
Ein Versicherungsmantel um Deine ETFs. Innerhalb der Police wachsen Deine Erträge komplett steuerfrei. Keine Vorabpauschale, keine Abgeltungssteuer während der Laufzeit und kein Steuerabzug beim Umschichten zwischen Fonds. Bei Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr und mindestens 12 Jahren Laufzeit greift das Halbeinkünfteverfahren: Nur die Hälfte Deiner Gewinne wird mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuert.
Dazu kommt eine fixe Teilfreistellung von 15 Prozent auf die Erträge innerhalb der Police (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 9 EStG). Die gilt unabhängig vom Aktienanteil der Fonds. In der Praxis bedeutet das: Vom Gewinn bleiben erst 15 Prozent steuerfrei, dann wird nur die Hälfte des Rests besteuert. Bei einem persönlichen Steuersatz von 20 Prozent ergibt das einen effektiven Steuersatz von ca. 8,5 Prozent. Das ist weniger als die Hälfte der 18,5 Prozent im Depot, selbst mit der dort höheren 30-Prozent-Teilfreistellung für Aktien-ETFs.
Der entscheidende Unterschied zur normalen Rentenversicherung (Bruttopolice): Bei der Nettopolice zahlst Du keine Abschlussprovisionen. Kein Cent Deiner Sparrate geht an den Vertrieb. Du zahlst stattdessen ein einmaliges Honorar direkt an Deinen Berater. Ab Tag 1 werden 100 Prozent Deiner Beiträge investiert.
Staatliche Zulagen von bis zu 175 Euro pro Jahr (plus Kinderzulagen). Aber: Produktkosten von 1,5 bis 2,5 Prozent jährlich, starre Regeln, Beitragsgarantie (die die Rendite killt) und volle Besteuerung in der Auszahlung. Für die meisten Menschen ein Minusgeschäft.
Beiträge sind 2026 zu 100 Prozent steuerlich absetzbar, allerdings nur bis zum Höchstbetrag von 30.826 Euro pro Jahr (Ledige) bzw. 61.652 Euro (Verheiratete). Wichtig für Angestellte: Sowohl Dein Arbeitnehmer- als auch der Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung werden auf diesen Höchstbetrag angerechnet. Bei einem Bruttoeinkommen von 48.000 Euro sind das bereits rund 8.928 Euro, die abgezogen werden. Es bleiben also ca. 21.900 Euro für Rürup-Beiträge übrig.
Gut für Selbstständige mit hohem Einkommen. Aber: Keine Kapitalauszahlung möglich, nur lebenslange Rente. Nicht vererbbar (außer Hinterbliebenenschutz gegen Aufpreis). Kein Zugriff vor 62. Und bei Renteneintritt 2026 sind 84 Prozent der Auszahlung steuerpflichtig (steigt jährlich um 0,5 Prozentpunkte bis 100 Prozent im Jahr 2058).
Oft ist es kein Entweder-oder. Die stärkste Strategie ist in vielen Fällen eine Kombination: Die Nettopolice für den langfristigen, steueroptimierten Vermögensaufbau und ein ETF-Depot für den flexiblen Teil, an den Du jederzeit rankommst. So nutzt Du den Steuervorteil der Nettopolice, bleibst aber gleichzeitig liquide. Wie Du die Aufteilung am besten gestaltest, hängt von Deinem Anlagehorizont, Deinem Einkommen und Deinen Zielen ab.
Bei einer klassischen Rentenversicherung (Bruttopolice) zahlst Du keine direkte Rechnung. Das fühlt sich erstmal günstig an. In Wahrheit werden die Kosten einfach von Deinen Beiträgen abgezogen, und zwar über die gesamte Laufzeit.
Typische Abschlusskosten: 2,5 Prozent der Beitragssumme. Bei 200 Euro monatlich über 35 Jahre sind das 2.100 Euro, die direkt vom Start weg fehlen. Dazu kommen laufende Verwaltungskosten und Fondskosten. Die sogenannten Effektivkosten (eine standardisierte Kennzahl, die alle Kosten zusammenfasst) liegen bei vielen Bruttopolicen bei 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr. Das klingt wenig, kostet Dich über 30 Jahre aber leicht fünfstellige Beträge an entgangener Rendite.
Bei einer Nettopolice sieht das anders aus:
Ein Honorar von 2.000 Euro klingt erstmal nach viel. Aber wenn die jährliche Kostenersparnis gegenüber einer Bruttopolice bei 1,0 bis 1,5 Prozentpunkten liegt, hast Du das Honorar nach wenigen Jahren zurück. Alles danach ist reiner Gewinn für Dich. Genau das zeigt auch der Vergleich weiter oben auf dieser Seite: Gleicher Kunde, gleiches Produkt, gleiche Sparrate, gleiche Rendite. Nur die Kosten unterscheiden sich. Das Ergebnis: über 100.000 Euro mehr Vermögen.
Die kurze Antwort: Ab sofort, solange Du mindestens 12 bis 15 Jahre Anlagehorizont hast. Denn ab dieser Laufzeit schlägt der Steuervorteil der Nettopolice das freie ETF-Depot in fast allen Szenarien.
Der ideale Zeitpunkt. Du hast 30 bis 40 Jahre Laufzeit. Der Zinseszinseffekt arbeitet maximal für Dich. Schon kleine Sparraten (150 bis 200 Euro monatlich) können bis zum Rentenalter sechsstellige Beträge aufbauen. Das Honorar für die Nettopolice ist im Verhältnis zur Gesamtlaufzeit minimal.
Immer noch sehr gut. 20 bis 30 Jahre Laufzeit reichen locker für den vollen Steuervorteil. Die Sparrate muss etwas höher sein, um das gleiche Ergebnis zu erreichen. Aber der Hebel ist immer noch enorm.
Hier wird es eine individuelle Rechnung. Bei 15 bis 20 Jahren Laufzeit lohnt sich die Nettopolice in den meisten Fällen noch, besonders bei höheren Sparraten. Wer nur 12 Jahre Laufzeit hat, fährt mit dem Depot eventuell besser, weil das Honorar sich in kürzerer Zeit amortisieren muss.
Wenn die Laufzeit unter 12 Jahre fällt, entfällt der Steuervorteil des Halbeinkünfteverfahrens. Dann ist das Depot meistens die bessere Wahl. Ausnahme: Wer größere Einmalbeträge anlegen will, kann auch mit kürzerer Laufzeit profitieren.
Meine Empfehlung: Rechne es selbst durch. Mit dem Nettopolice-Rechner kannst Du Nettopolice, Bruttopolice und ETF-Depot mit Deinen persönlichen Zahlen vergleichen. So siehst Du auf den Euro genau, welcher Weg für Dich mehr bringt.
Und wenn Du eine individuelle Einschätzung möchtest, melde Dich einfach bei mir. Ich stelle Dir beide Szenarien gegenüber und zeige Dir, wie die optimale Aufteilung für Deine Situation aussieht.