Vier Wege, ein Ziel: Vermögen für das Alter aufbauen. Aber die Unterschiede sind enorm.
ETF-Depot (z.B. Trade Republic, Scalable)
Der einfachste Weg. Du kaufst ETFs, fertig. Maximale Flexibilität, keine Mindestlaufzeit, geringe Kosten. Der Nachteil: Das Finanzamt greift laufend zu. Vorabpauschale, Steuer auf Dividenden und Abgeltungssteuer auf Gewinne beim Verkauf. Allerdings gibt es im Depot die sogenannte Teilfreistellung nach dem Investmentsteuergesetz (§ 20 InvStG). Die funktioniert so:
- Aktienfonds (Aktienanteil über 50 %): 30 Prozent der Erträge bleiben steuerfrei. Der effektive Steuersatz sinkt dadurch von 26,375 Prozent auf ca. 18,5 Prozent.
- Mischfonds (Aktienanteil 25 bis 50 %): 15 Prozent Teilfreistellung. Effektiver Steuersatz ca. 22,4 Prozent.
- Andere Fonds (Aktienanteil unter 25 %): Keine Teilfreistellung. Es gilt der volle Satz von 26,375 Prozent.
Für die meisten Anleger mit einem Welt-ETF (Aktienanteil über 50 %) liegt die effektive Steuerlast im Depot also bei rund 18,5 Prozent auf realisierte Gewinne. Trotzdem summiert sich die laufende Besteuerung (Vorabpauschale, Steuern bei jedem Fondswechsel) über Jahrzehnte erheblich, weil Dein Geld nicht in voller Höhe weiterarbeiten kann.
ETF-Nettopolice
Ein Versicherungsmantel um Deine ETFs. Innerhalb der Police wachsen Deine Erträge komplett steuerfrei. Keine Vorabpauschale, keine Abgeltungssteuer während der Laufzeit und kein Steuerabzug beim Umschichten zwischen Fonds. Bei Auszahlung nach dem 62. Lebensjahr und mindestens 12 Jahren Laufzeit greift das Halbeinkünfteverfahren: Nur die Hälfte Deiner Gewinne wird mit Deinem persönlichen Steuersatz versteuert.
Dazu kommt eine fixe Teilfreistellung von 15 Prozent auf die Erträge innerhalb der Police (§ 20 Abs. 1 Nr. 6 Satz 9 EStG). Die gilt unabhängig vom Aktienanteil der Fonds. In der Praxis bedeutet das: Vom Gewinn bleiben erst 15 Prozent steuerfrei, dann wird nur die Hälfte des Rests besteuert. Bei einem persönlichen Steuersatz von 20 Prozent ergibt das einen effektiven Steuersatz von ca. 8,5 Prozent. Das ist weniger als die Hälfte der 18,5 Prozent im Depot, selbst mit der dort höheren 30-Prozent-Teilfreistellung für Aktien-ETFs.
Der entscheidende Unterschied zur normalen Rentenversicherung (Bruttopolice): Bei der Nettopolice zahlst Du keine Abschlussprovisionen. Kein Cent Deiner Sparrate geht an den Vertrieb. Du zahlst stattdessen ein einmaliges Honorar direkt an Deinen Berater. Ab Tag 1 werden 100 Prozent Deiner Beiträge investiert.
Riester-Rente
Staatliche Zulagen von bis zu 175 Euro pro Jahr (plus Kinderzulagen). Aber: Produktkosten von 1,5 bis 2,5 Prozent jährlich, starre Regeln, Beitragsgarantie (die die Rendite killt) und volle Besteuerung in der Auszahlung. Für die meisten Menschen ein Minusgeschäft.
Rürup-Rente (Basisrente)
Beiträge sind 2026 zu 100 Prozent steuerlich absetzbar, allerdings nur bis zum Höchstbetrag von 30.826 Euro pro Jahr (Ledige) bzw. 61.652 Euro (Verheiratete). Wichtig für Angestellte: Sowohl Dein Arbeitnehmer- als auch der Arbeitgeberanteil zur gesetzlichen Rentenversicherung werden auf diesen Höchstbetrag angerechnet. Bei einem Bruttoeinkommen von 48.000 Euro sind das bereits rund 8.928 Euro, die abgezogen werden. Es bleiben also ca. 21.900 Euro für Rürup-Beiträge übrig.
Gut für Selbstständige mit hohem Einkommen. Aber: Keine Kapitalauszahlung möglich, nur lebenslange Rente. Nicht vererbbar (außer Hinterbliebenenschutz gegen Aufpreis). Kein Zugriff vor 62. Und bei Renteneintritt 2026 sind 84 Prozent der Auszahlung steuerpflichtig (steigt jährlich um 0,5 Prozentpunkte bis 100 Prozent im Jahr 2058).
Fazit
Oft ist es kein Entweder-oder. Die stärkste Strategie ist in vielen Fällen eine Kombination: Die Nettopolice für den langfristigen, steueroptimierten Vermögensaufbau und ein ETF-Depot für den flexiblen Teil, an den Du jederzeit rankommst. So nutzt Du den Steuervorteil der Nettopolice, bleibst aber gleichzeitig liquide. Wie Du die Aufteilung am besten gestaltest, hängt von Deinem Anlagehorizont, Deinem Einkommen und Deinen Zielen ab.