Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) gilt als Königsdisziplin beim Einkommensschutz. Sie zahlt, wenn Du Deinen konkreten Beruf zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst. Dabei zählt nicht nur die Arbeitszeit, sondern auch, ob Du die prägenden Tätigkeiten Deines Jobs noch schaffst. Klingt erstmal nach dem besten Schutz. Ist es in vielen Fällen auch, aber nicht für jeden.
Denn diese 50-Prozent-Schwelle kann zur Hürde werden. Bei Berufen, die fast ausschließlich am Schreibtisch stattfinden, ist sie manchmal schwerer zu erreichen als gedacht. Das gilt besonders, wenn die Einschränkung körperlich ist, der Job aber überwiegend geistig. In der Praxis kommen allerdings bei schweren körperlichen Einschränkungen fast immer Begleitprobleme dazu: chronische Schmerzen, psychische Belastung, Medikamentennebenwirkungen. Und die können dann doch zur Berufsunfähigkeit führen.
Der größte Vorteil der BU ist ihr umfassender Schutz bei psychischen Erkrankungen. Depressionen, Burnout, Angststörungen: Mehr als jede dritte Berufsunfähigkeit wird heute durch die Psyche ausgelöst, Tendenz steigend. Wenn Du wegen einer Depression nicht mehr arbeiten kannst, zahlt die BU. Die Grundfähigkeitsversicherung tut das in den meisten Fällen nicht, weil alle körperlichen Grundfähigkeiten noch intakt sind.
Die Grundfähigkeitsversicherung schützt nicht Deinen Beruf, sondern Deine körperlichen und geistigen Grundfähigkeiten: Gehen, Stehen, Sitzen, Sehen, Hören, Sprechen, die Benutzung der Hände, Autofahren, Treppensteigen.
Ein wichtiger Unterschied zur BU: Die Grundfähigkeitsversicherung ist komplett von Deinem Beruf entkoppelt. Es zählt nur, ob eine versicherte Fähigkeit verloren ist. Nicht, ob oder was Du arbeitest. Bei der BU darfst Du zwar auch in einem anderen Job arbeiten und trotzdem Rente beziehen. Aber wenn der neue Job Deiner alten Lebensstellung entspricht, kann der Versicherer über die sogenannte konkrete Verweisung die Zahlung einstellen. Bei der GF gibt es dieses Risiko nicht.
Gerade für Handwerker, Pfleger oder andere körperlich arbeitende Menschen ist die Grundfähigkeitsversicherung oft deutlich günstiger als die BU. Ein Handwerker zahlt für eine BU oft das Vier- bis Fünffache eines Büroangestellten. Bei der GF ist der Unterschied wesentlich kleiner. Die Leistungsauslöser sind außerdem tendenziell objektiver als bei der BU, weil sie an konkreten körperlichen Fähigkeiten hängen statt an der Interpretation eines Berufsbildes.
Wichtig zu wissen: Nicht jeder GF-Tarif leistet bei Verlust einer einzigen Fähigkeit. Viele Tarife unterscheiden zwischen besonders schwerwiegenden Fähigkeiten (z.B. Sehen, Sprechen, Handgebrauch) und weniger elementaren (z.B. Treppensteigen, Autofahren). Bei letzteren verlangen manche Versicherer den Verlust von mehreren Fähigkeiten gleichzeitig. Die Tarifauswahl ist deshalb entscheidend.
Die richtige Frage ist nicht „Was ist besser?", sondern „Was passt zu Dir?" Die BU ist stark bei psychischen Risiken und schützt Dein konkretes Berufsbild. Die GF ist stark bei körperlichen Risiken und komplett von Deinem Beruf entkoppelt. Beides sind vollwertige Produkte, die für unterschiedliche Menschen und Lebenssituationen gemacht sind.
Weil es darum geht, Dein Einkommen wirklich abzusichern, nicht ein Produkt zu verkaufen. Im Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf Deinen Beruf, Deinen Alltag und Deine Gesundheitssituation. Daraus ergibt sich, welches Produkt oder welche Kombination für Dich am meisten Sicherheit bringt.
Die forensische Gesundheitsprüfung mache ich bei beiden Produkten identisch. Denn auch bei der Grundfähigkeitsversicherung können fehlerhafte Gesundheitsangaben zur Leistungsverweigerung führen. Die Versicherer prüfen genauso gründlich, wenn Du Leistung beantragst.